Thomas Frahm: Oh, Bulgarien. Land und Leute, Kultur und Gesellschaft.

160 S., Hardcover mit Schutzumschlag, 22,00 €, Fotos und Abb., teils farbig,

ISBN 978-3-929634-77-8
Lieferbar ab 20. Oktober 2016

 

Kurztext zum Buch:

Bulgarien wird oft als eine Mischung aus billigem Urlaubsziel und europäischem Sozialfall betrachtet. Dies einseitige Klischee zu kritisieren, kann nur ein erster Schritt sein. Das vorliegende Buch versucht, zu beschreiben, warum es nur ein Klischee ist, indem es Antworten auf die Frage gibt: Was hat Bulgarien denn zu bieten, was uns interessieren, faszinieren, positiv beeindrucken könnte?

Die Antwort gibt Thomas Frahm in beschreibenden Essays aus allen Sphären des bulgarischen Lebens, der Kultur, Gesellschaft und Politik. Daneben enthält der Band auch auflockernde Texte, von der Parodie auf den üblichen Reiseführer-Stil über satirische Beispiele deutsch-bulgarischer Begegnungen bis hin zu Texten, bei denen der Autor seine Verständnismühen selbstironisch auf die Schippe nimmt.

 

Inhalt:

1 • Vademecum für Bulgarientouristen
Eine Einführung im Reiseführerstil

2 • Meridiane des Fettnäpfchens
Eine »bilaterale« Sensibilisierungsübung

3 • Völkermissverständigung
Eine deutsch-bulgarische Farce

4 • Bulgarische Küche

5 • Živopis – Schreiben mit lebendigen Farben
Von der Ikone zur modernen Malerei

6 • Bulgarisch in Geschichte und Gegenwart

7 • Namen (Herkunft und Bedeutung)

8 • Tücken eines Tuworts

9 • Ostern

10 • Rundbrot, Stroh und Weihnachtssänger
Das Weltbild der alten Bräuche

11 • Neujahrsruten – Lied / Feuilleton

12 • Der Staat als Diener der Staatsdiener

13 • Armutsrivalität
Minderheiten als Mittel populistischer Politik

14 • Fehlende Gegenwart
Der Autor

Thomas Frahm, geb. 1961 in Duisburg, studierte Geografie und lebt seit 2000 in Duisburg und Sofia. Er schreibt Lyrik und Erzählungen sowie Artikel und Essays zu bulgarischen Themen und hat sich auch als Übersetzer der Romane Vladimir Zarevs einen Namen gemacht. Sein Buch Die beiden Hälften der Walnuss war das erste Sachbuch, das sich jenseits der journalistischen Klischees und des Reiseführer­-Rosarot mit Bulgarien auseinandersetzte, indem es auch akribisch die Voreingenommenheiten des Autors im Blick behielt. Der Erfolg des Buches zeigt, wie groß der Bedarf für ein solches Buch war.

 

Artikel nach der Buchpremiere im Bulgarischen Kulturinstitut Berlin, 24.10. 2016:
http://www.berliner-woche.de/mitte/kultur/thomas-frahm-der-bulgarienreisende-d111665.html

Text des Artikels:

Thomas Frahm – der Bulgarienreisende

Berlin: Bulgarisches Kulturinstitut

von Georg Wolf, Wilhelmstadt

Es ist ein regnerischer Montagabend. Zusammen mit meiner Begleitung befinde ich mich auf dem Weg zum Bulgarischen Kulturinstitut in der Leipziger Straße. Für mich ein bis dato unbekannter Ort. Auch war ich noch nie auf einer Lesung. Doch meine aus Bulgarien stammende Begleitung machte mir Mut. Der Autor komme aus Deutschland und wolle nur sein neues Buch vorstellen. Mit gemischten Gefühlen betrat ich den Veranstaltungsort.

Ein heller, freundlicher Raum erwartete uns. Herzlich wurden wir vom Autor begrüßt. Ein großer Stapel Bücher, der malerisch auf dem Klavier positioniert wurde, ließ mich einen Blick auf die Buchtitel erhaschen. Langsam bekam ich ein Bild von dem, was mich die nächsten gut zwei Stunden erwarten würde.

Nach und nach füllte sich der Tagungssaal. Zu Beginn der Lesung waren circa 45 Personen anwesend. Die meisten von ihnen waren jenseits der Fünfzig und bulgarischer Herkunft. Nur wenige deutsche Partner verliefen sich. Auch jüngere Gäste wurden vergeblich gesucht. Meine Begleitung und ich waren, mit einer Ausnahme, die jüngsten Zuhörer.

 

Wer ist der Autor und Mensch Thomas Frahm?

Vor mir stand ein groß gewachsener, schlanker Mann mittleren Alters. Vom Aussehen her müssen Sie sich einen netten, aber durchaus streng wirkenden Klassenlehrer vorstellen. Doch vom ersten Moment an war da eine gewisse Sympathie. Vielleicht fühlte ich mich unbewusst an meine Schulzeit zurückerinnert. Ich weiß es nicht.

Doch dieser Thomas Frahm hat weit mehr zu bieten, als nur diese schon beschriebene Pädagogenerscheinung. Jahrgang 1961. Er studierte Geografie, Städtebau, Bodenkunde und Philosophie an der Universität Bonn. Arbeiten wird er später jedoch als Journalist, Verleger, Übersetzer und Schriftsteller.

Seit vielen Jahrzehnten befasst er sich mit Bulgarien, dessen Einwohnern und der einheimischen Literatur. Zwölf Jahre war Frahm mit einer Bulgarin verheiratet. Anfang des Jahrtausends wanderten seine damalige Gattin und er in ihr Heimatland aus. Zu diesem Zeitpunkt begann auch seine Karriere als freischaffender Schriftsteller. Seine Übersetzung des Romans „Feuerköpfe“, zweiter Teil einer Romantrilogie von Valdimir Zarev,  schaffte es 2012 auf die Shortlist zum Preis der Leipziger Buchmesse.

Heute gilt Thomas Frahm als der bedeutendste Übersetzer Bulgarischer Werke ins Deutsche. Er lebt und arbeitet in Sofia und Duisburg.

 

Das Abendprogramm

Die Lesung war spannend und gut aufgebaut. Neben Erzählungen aus dem Leben des privaten Autors gab es immer wieder eine sehr persönliche Sicht. Nicht nur auf Bulgarien, sondern auch auf Deutschland und Europa im allgemeinen. Jedes Mal, wenn Thomas Frahm Passagen aus einem seiner Bücher vorlas, hatte ich das Gefühl, mich wirklich an Ort und Stelle zu befinden. Ich war noch nie in Bulgarien, kannte nur einige bekannte Orte aus Funk, Fernsehen und Magazinen, doch die bildhafte Darstellung seiner Texte half mir sehr. Sehr schnell bekam ich ein Bild vor der beschriebenen Region.

Thomas Frahm führte mit Routine, aber auch viel Freude durch den Abend. Bulgarische Lyrik las er mit einer Leichtigkeit vor, die den Saal zum Beben brachte. Oftmals muss es witzige Stellen gegeben haben, denn das Publikum lachte. Für einen Gast, der die bulgarische Sprache nicht verstand, schwere Kost. Doch der neutrale Zuhörer, der ich ja in diesem Moment war, konnte das weder dem Autor noch dem restlichen Publikum übel nehmen.

Besonders lobenswert empfand ich an diesem Abend den erweiterten Geschichtsunterricht. Denn wie viele Bundesbürger weiß ich nicht wirklich viel, also eher fast gar nichts über Bulgarien.

Okay, sie sind Mitglied der EU. Aber sonst? Zum Glück gibt es Menschen wie Thomas Frahm, die mit viel Herzblut um die Völkerverständigung bemüht sind. Ich für meinen Teil habe an diesem Abend sehr viel gelernt. Den ganzen Abend über hatte ich das Gefühl, nicht Gast einer Lesung zu sein, sondern ich wurde mitgenommen auf eine Reise in ein unbekanntes Land!

 

Oh, Bulgarien!

Frahms neuestes Buch ist ein Reiseführer der besonderen Art: Ortsbeschreibungen wie aus den üblichen Führern bekannt werden hier vergeblich gesucht. Vielmehr geht der Autor ins Detail. Er zeigt Orte, die nicht so bekannt sind. Genau genommen zeigt uns Thomas Frahm Bulgarien. Sein Bulgarien, auf eine ganz persönliche Sichtweise.

Passend ist das Buch für alle diejenigen, die nicht nur gerne reisen, sondern auch einen Blick hinter die Kulissen eines Landes werfen wollen und sich nie zu alt fühlen, ihren Horizont zu erweitern.

 

Deutsch-Bulgarisches Forum

Eingeladen hatte das Deutsch-Bulgarische Forum. Ein Verein, der seit mehr als zwei Jahrzehnten um die Verständigung zwischen Deutschen und Bulgaren bemüht ist. Dabei spielt es keine Rolle, ob sich dabei um wirtschaftliche Interessen handelt, oder um kulturellen Austausch.

Was bleibt von diesem Abend? In erster Linie der Gedanke, eine große Wissenslücke schließen zu müssen. Eine Reise ins unentdeckte Land wurde ganz fest vorgenommen. Doch das Wichtigste: Es gibt noch Menschen wie Thomas Frahm. Sie leben für ihre Sache und bemühen sich, die Welt bestmöglich an ihrem immensen Wissen teilhaben zu lassen. Und das nicht auf die antiquierte Museumsart, sondern so lebendig, wie nur möglich!

Weitere Informationen zum Autor gibt es hier: www.choraverlag.de
Website des Deutsch-Bulgarischen Forums: http://deutsch-bulgarisches-forum.de/

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