Bulgarien-Titel

Das Bulgarien­-Programm des CHORA Verlags möchte zunächst ganz allgemein über Bulgarien informieren. Die Natur und Kultur des Landes, die in der spezifischen Geschichte gewachsenen Besonderheiten der Menschen, und entsprechend die Bedeutung, die Sprache und Literatur, Namen und Geschichte, Religion, Bilder, Essen und Trinken, Feste, Bräuche und Geselligkeit für sie haben.

Auch die Anthologien mit neuerer bulgarischer Prosa haben nicht nur rein ästhetische Ziele, sondern sind ausgewählt danach, inwieweit sie etwas über die bulgarische Gegenwart und das Gegenwartsempfinden der Bulgaren aussagen.

In den Essays werden auch viele einseitige Urteile durch vergleichende Betrachtung aus der plumpen Besserwessi-Ecke geholt und in einen differenziert-beschreibenden Kontext gestellt.

 

Die WIENER ZEITUNG schrieb am 30. April 2017 zu den bisherigen Titeln:

Verlegerische Landeserkundungen
Von Walter Klier

An dieser Stelle war schon von Thomas Frahm die Rede, der es sich, so ziemlich im Alleingang, zur Aufgabe gemacht hat, uns Deutschprachige mit der Geschichte und Kultur Bulgariens vertraut zu machen – als Übersetzer, Autor und neuerdings auch als Verleger. Sein Verlag heißt Chora und ist einer dieser sehr kleinen, tapferen Verlage, von denen man sich wundert, dass es überhaupt noch welche gibt – und dazu noch immer wieder neue von dieser Sorte. Das Zauberwort heißt Selbstausbeutung – es ist so ähnlich wie bei der Kinderaufzucht, die ja nicht direkt ein gutes Geschäft darstellt, bei der man aber unversehens entdeckt, dass das eigene Leben einen anderen, größeren Sinn bekommen hat als vorher, dessentwegen man dann jahrein, jahraus die größten Mühen, Plagen, Enttäuschungen und finanziellen und sonstigen Einbußen auf sich nimmt.
Was also bietet dieses überschaubare, aber stetig wachsende Verlagsprogramm? Insgesamt ein ebenso instruktives und unterhaltsames Panorama über jenes ungewöhnlich unbekannte Land am äußersten Südosteck der EU, an der Grenze zur Türkei. Deren Teil war Bulgarien jahrhundertelang, und wie es dort vor etwa 150 Jahren aussah, kann man in drei Berichten deutscher Reisender aus jener Zeit nachlesen (Helmuth von Moltke, Friedrich Wilhelm Hackländer, Marie Gräfin zu Erbach-Schönberg: Besuch am Rande.Ausgewählt und hrsg. von Thomas Frahm. Chora Verlag Duisburg, 2015, 192 S.).
„Wären nicht aus den mit Zweigen durchflochtenen und mit Mist bedeckten vier Pfählen schmutzig braune, menschliche Gestalten hervorgekrochen, so hätte ich geglaubt, die Erdhöhlen, an denen wir vorbeikamen, seien Stallungen für Büffel und Schweine, d.h. für türkisches Vieh, denn ein ordentlicher deutscher Ochse würde sich geweigert haben, in diese Schmutzlöcher zu kriechen.“ Das ist zeitbedingt etwas politisch unkorrekt formuliert, gibt aber gerade deswegen einen lebendigen Eindruck davon, dass der Ausbau des Sozialstaats nicht zu den vordringlichen Zielen des alten Osmanischen Reiches gehörte.
Wie es heute dort aussieht, kann man einem neulich erschienenen Reiseführer für Fortgeschrittene entnehmen (Thomas Frahm: Oh, Bulgarien.Land und Leute, Kultur und Gesellschaft, 2016, 160 S.) und damit auch die Distanz ermessen, die das heutige Bulgarien vom damaligen trennt, und die weiterhin bestehende zu unserem mitteleuropäischen Wohlleben etwas milder beurteilen. Die nächsten Jahrzehnte werden uns ja zeigen, inwieweit die Masseneinwanderung aus ärmeren Gegenden unsere Kultur der orientalischen wieder angleichen.
Und dann gibt es natürlich jede Menge Literatur, unter anderem zwei Anthologien mit Prosa aus der bulgarischen Gegenwart. Den logischen Ausgangspunkt bildet die Zäsur von 1989, als der Kommunismus sein so überfälliges wie wohlverdientes Ende fand und es sich als überraschend schwierig erwies, an die Stelle des schlechten Alten etwas ein bisschen besseres Neues zu setzen. Immerhin, man konnte reisen. Die Reise war öfters eine Ausreise, und bekanntlich sind es nicht immer die Schlechtesten, die einem Land davonlaufen, sobald man sie laufen lässt, was die Schwierigkeiten, mit denen selbiges Land zu kämpfen hat, nicht kleiner macht (Gegenwarten.Bulgarische Prosa nach 1989, hrsg. und übers. von Thomas Frahm, 2015, 206 S., und Verborgenes Leben.Neue Prosa aus Bulgarien, hrsg. von Evelina Jecker Lambreva, übers. von Thomas Frahm. 2016, 181 S.).
Auch einen Überblick „von den Anfängen bis auf den heutigen Tag“, wie es früher so schön hieß, stellt unser vielseitiger Protagonist zur Verfügung (Thomas Frahm: Heiliger Buchstabe, heillose Zeiten.Texte zur bulgarischen Literatur, 2016, 236 S.). Hier weist der Autor auch auf einen eigentlich bekannten, aber selten erwähnten Grund für die Schwierigkeiten kleinerer Literaturen hin: „Interessant wäre hier allerdings eine Studie, die einmal den Zusammenhang zwischen politischer Macht und literarischem Beachtetwerden untersucht. Ist es nicht ein merkwürdiger Zufall, dass der Löwenanteil der Übersetzungen ins Deutsche aus Sprachen und Ländern erfolgt, die Groß- oder Weltmacht sind oder waren? Wie viel durchschnittlich Erzähltes würde, hätte es ein Deutscher geschrieben, von der Kritik verrissen oder schlicht unbeachtet bleiben.“

http://www.wienerzeitung.at/meinungen/blogs/litblog/888639_Verlegerische-Landeserkundungen.html?em_cnt=888639

 

Titel Jahr Seiten
Hg. Evelina Jecker Lambreva Verborgenes Leben

Neue Prosa aus Bulgarien

Verborgenes Leben Titelbild

2016 180
Hg. Thomas Frahm Gegenwarten

Bulgarische Prosa nach 1989

Umschlag vorn Gegenwarten

2015 202
Helmuth von Moltke

Friedrich Wilhelm Hackländer

Marie Gräfin zu Erbach­ Schönberg

Besuch am Rande

Umschlag vorn 71-6

2015 192
Thomas Frahm Heiliger Buchstabe, heillose Zeiten

Frahm-Heiliger Buchstabe-Zur bulgarischen Literatur-Cover vorn

2016 240